Kita NORD Visu außen

Multifunktionsgebäudekomplex Kita Nordstraße, Leipzig

Die „Kita NORD“ ergänzt die städtebauliche Struktur der Gründerzeit an der Schnittstelle zu der Bebauung aus der DDR-Zeit und dem Zoo Leipzig. Die Nachverdichtung erfolgt passenderweise mit einem Mix aus verschiedenen Nutzungen: Kita, Büro und einer speziellen Wohnform.

Unser spezifischer Vorschlag für diesen Ort sieht einerseits die Fortführung der Blockränder vor, die an der Hauptverkehrsstraße für den nötigen Schallschutz sorgt. Andererseits wird durch die städtebauliche Setzung der Kita NORD genau an der Stelle des Vorgängerbaus der Eingriff in den Baumbestand auf das Notwendigste minimiert.

Die Gebäude werden nachhaltig entsprechend des Low-Tech-Konzepts „2226“ errichtet – mit großer Speichermassen, mit mechanisch geführten Fenstern und ohne Heizungs- oder Lüftungsanlage.

Städtebaulich wird die gründerzeitliche Blockstruktur an den Brandwänden ergänzt. Entlang der Pfaffendorfer Straße sichert die Ergänzung des hohen Blockrandes den Lärmschutz für das Blockinnere. An der Nordstraße wird der Blockrand zunächst in typischer Gebäudetiefe an der Brandwand der Gründerzeitgebäude weitergebaut und durch die zweigeschossige Kindertagesstätte parallel zur Ernst-Pinkert-Straße teilweise geschlossen. Die Weiternutzung des freiwerdenden Bauplatzes der heutigen Kindertagesstätte (einschließlich Baugrube) für den Neubau ermöglicht den weitgehenden Erhalt der Bäume. Für alle geforderten Nutzungsbereiche entstehen eindeutig formulierte Adressen. Alle Gruppenräume der KITAs orientieren sich nach Süden und Südosten.

Der vorhandene Baumbestand wird durch zahlreiche Neupflanzungen ergänzt. Die Außenfläche beider Kitas wird zusammenhängend gestaltet. Die Zäune sind in die Gestaltung integriert und spielerisch nutzbar. Die vielfältige Untergliederung in kleine Teilbereiche und Rauminseln sorgt dafür, dass eine Vielzahl von distinkten Orten entsteht, die die Kinder zum Aneignen und Weitergestalten einladen und somit Erlebnis- und Erfahrungsreichtum ermöglichen.

Das vor Ort anfallende Regenwasser wird vollständig in die Pflanzungen geleitet und vor Ort versickert. Die Wege in wassergebundener Decke sorgen für möglichst geringe Versiegelung im Außenraum, an notwendigen Stellen kommt Pflaster mit hoher Durchlässigkeit zum Einsatz. Hierfür werden die Festwiesen als bis zu 10 cm abgesenkte Versickerungsmulden ausgeformt und Baumrigolen der neugepflanzten Bäume genutzt. Die Flachdächer sind Teil der blau-grünen Infrastruktur. Sie dienen der Retention von Regenwasser, je nach Nutzung mit extensiver oder intensiver Begrünung.

Beide Kitas werden mit den wesentlichen Funktionen um ein zweigeschossiges Foyer übersichtlich organisiert. Der Mehrzweckraum ist mit einer großen transparenten Faltwand an das Foyer angebunden. Die Verkehrsflächen weiten sich in beiden Geschossen vor den größten und am meisten frequentierten Räumen angemessen auf. Es entstehen gut bespielbare Vorzonen und Kommunikationsräume.

Die Kinderkrippenräume mit direkt zugeordnetem Sanitärbereich (Wickelplatz mit Blickbeziehung in den Raum) befinden sich im Erdgeschoss mit vorgelagertem Krippengartenbereich (Nestbereich). Die Kindergartenräume befinden sich jeweils im 1. Obergeschoss und erreichen über den Spielflur oder den Balkon und eine Außentreppe direkt den Garten.

Das Konzept 2226 beschreibt ein spezifisches LOW TECH Plusenergiegebäude. Die Energieeffizienz wird hier allein mit den elementaren Mitteln der Baukunst realisiert – anstelle von hochkomplexer Haustechnik. Massive Wände und Decken dienen als Dämm- und Speichermasse. Ein austariertes Zusammenspiel von Fassaden- und Fensterfläche, von Proportionen, Materialien und Licht sorgt für eine angenehme Atmosphäre und stets behaglich temperierte Innenräume. Die Innenraumtemperaturen werden dabei zwischen mindestens 22°C im Winter und maximal 26°C im Sommer liegen. Elementar für die Funktionsweise ist eine Gebäudesteuerung – sie misst die inneren und äußeren Bedingungen und nutzt diese intelligent zur Regulierung von Temperatur und Raumklima. 2226 funktioniert OHNE technische Anlagen für die Heizung, Lüftung, Kühlung oder den Sonnenschutz. Geheizt wird durch die Abwärme der anwesenden Menschen, der technischen Geräte und der Beleuchtung. Sensorisch gesteuerte Lüftungsflügel regulieren die Temperatur und den CO2-Anteil und sorgen so für ein angenehmes Innenraumklima.

Ort
Leipzig
Zeit
2023
Auslober
LESG
Preis
1. Rang, Realisierungswettbewerb
ARGE
h.e.i.z.Haus mit BauEntwurf Pirna und Kraushaar Lieske Freiraumplanung
Beratung
2226 GmbH