rosa_melodie Ansicht Laubengang

Baugemeinschaft Rosa Melodie, Dresden

Das Baugemeinschaftsprojekt zeigt, wie aus einer kleinen innerstädtischen Lücke ein zukunftsfähiger Ort des Wohnens entstehen kann: mit einfachen, langlebigen Mitteln, guten Grundrissen und einer starken Gemeinschaft. Weniger individuelle Fläche, weniger technische Komplexität und weniger privater Ressourcenverbrauch schaffen hier mehr Wohnqualität – mehr Raum für Begegnung, Nachbarschaft und ein gutes Leben in der Stadt.

Mitten in Dresden-Pieschen schließt die Baugemeinschaft „Rosa Melodie“ eine schwierige städtebauliche Lücke. An der „Pieschener Melodie“, Dresdens erster Shared-Space-Zone, ist ein kompakter Neubau für zehn Familien entstanden. Der Baukörper nimmt die Körnung und Höhe der gründerzeitlichen Blockrandbebauung auf, interpretiert sie jedoch zeitgemäß und selbstverständlich neu.

Die Architektursprache ist ruhig und zurückhaltend. Ein klar gegliederter Baukörper, der präzise ausformulierte Sockel, handwerkliche Putzflächen und betonte Fenstergewände geben dem Haus seine Identität. Der Laubengang bildet eine zweite Fassadenebene und zugleich einen halböffentlichen Ort: Hier begegnen sich die Bewohner:innen, bleiben stehen, tauschen sich aus und nehmen am Alltag der Nachbarschaft teil.

Auch konstruktiv konzentriert sich das Haus auf das Wesentliche. Das Erdgeschoss ist als stützenarmer Massivbau ausgebildet, darüber prägen monolithische Ziegelaußenwände die Konstruktion. Auf zusätzliche Schichten, kurzlebige Materialien und technische Überrüstung wurde weitgehend verzichtet. Stattdessen sorgen robuste Details, eine gut gedämmte Gebäudehülle, Fernwärme sowie eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung für einen zeitgemäßen und dauerhaft gut handhabbaren Gebäudestandard.

Der eigentliche Mehrwert des Projekts liegt jedoch in der Baugemeinschaft selbst. Die zehn Familien haben ihr Haus gemeinsam entwickelt und dabei nicht nur die eigenen Wohnungen, sondern auch die Räume dazwischen in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinschaftsraum, Fahrradwerkstatt, grüner Hof, Dachgarten und Laubengang erweitern den privaten Wohnraum um Orte, die allen zur Verfügung stehen. So können die individuellen Wohnflächen maßvoll bleiben, ohne dass Lebensqualität verloren geht. Im Gegenteil: Was allein kaum möglich wäre, wird gemeinsam selbstverständlich.

Das Erdgeschoss öffnet sich bewusst zum Quartier. Ein großes Schaufenster, der Gemeinschaftsraum und die Fahrradwerkstatt beleben die Stadtkante und schaffen einen Übergang zwischen Haus und öffentlichem Raum. Der Gemeinschaftsraum steht auch für Veranstaltungen aus dem Wohnumfeld offen. Beim Stadtteilfest „Sankt Pieschen“ gehören die rosa Bühne für lokale Bands und die aufwendig gestaltete Dekoration des Laubengangs inzwischen fest zum Bild des Viertels.

Nachhaltigkeit zeigt sich bei der Baugemeinschaft rosa deshalb nicht nur in der Wahl der Konstruktion oder in der Energieversorgung. Sie manifestiert sich der innerstädtischen Lage mit guter Anbindung, in der reduzierten Zahl privater Stellplätze und dem Car-Sharing-Angebot, in den begrünten Freiräumen und in der bewussten Entscheidung für gemeinschaftlich nutzbare Strukturen. Barrierearme und teilweise rollstuhlgerechte Wohnungen, ein intensiv begrünter Dachgarten mit Urban Gardening und ein grüner Hof ergänzen dieses Konzept.

Ort
Dresden
Zeit
2022
Auftraggeber
Baugemeinschaft privater Bauherr:innen
Leistungsbild
1 - 8